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Weihnachtstraditionen
in Deutschland —
woher sie kommen

Adventskalender, Weihnachtsbaum, Heiligabend: Diese Bräuche fühlen sich ewig an — aber sie haben alle einen Ursprung.

Deutsche Weihnachtstraditionen sind weltweit bekannt und bewundert. Der Adventskranz, das Backen von Plätzchen, der Weihnachtsmarkt, das gemeinsame Singen von Stille Nacht — all das gehört zur Weihnachtszeit in Deutschland wie nirgendwo sonst. Aber woher kommen diese Bräuche eigentlich?

Viele Weihnachtstraditionen sind jünger als wir denken. Der Adventskranz wurde erst 1839 von einem Hamburger Theologen erfunden. Der geschmückte Weihnachtsbaum im Haus verbreitete sich in Deutschland im frühen 19. Jahrhundert. Und Heiligabend als der eigentliche Bescherungsabend ist ein spezifisch deutsches Phänomen — in vielen anderen Ländern finden die Feiern am 25. Dezember statt.

Die schönste aller Erkenntnisse: Diese Traditionen waren nie starr. Jede Generation hat sie ein bisschen angepasst, neu interpretiert und mit eigenen Bedeutungen gefüllt. Das dürfen wir auch — Weihnachtstraditionen können sich entwickeln.

Die wichtigsten deutschen Weihnachtstraditionen

Der Adventskranz

Der Adventskranz wurde 1839 von Johann Hinrich Wichern erfunden, einem Hamburger Theologen und Sozialpädagogen. In seinem Rauhen Haus bastelte er einen großen Holzkranz mit 24 Kerzen, um Kindern die verbleibenden Tage bis Weihnachten sichtbar zu machen. Die heutige Form mit vier Kerzen und Tannengrün verbreitete sich erst im 20. Jahrhundert.

Heute ist der Adventskranz das vielleicht universellste Symbol der deutschen Vorweihnachtszeit — unabhängig von Konfession oder Tradition.

Der Adventskalender

Den Adventskalender erfand der Münchner Verleger Gerhard Lang um 1908 — inspiriert von einem Kalender seiner Mutter, die ihm in seiner Kindheit jeden Adventsmorgen einen Keks an eine Pappe genäht hatte. Langs erste gedruckte Version hatte 24 Bildchen; kleine Schokoladen folgten erst in den 1950er Jahren.

Heute gibt es Adventskalender für jede Vorliebe. Und der selbst gebastelte Kalender mit kleinen persönlichen Botschaften hat eine Qualität, die kein Fertigprodukt erreicht.

Der Weihnachtsbaum

Immergrüne Pflanzen hatten in germanischen und keltischen Kulturen schon vor dem Christentum symbolische Bedeutung: Sie standen für das Überleben durch den Winter. Der geschmückte Tannenbaum im Haus verbreitete sich in Deutschland im frühen 19. Jahrhundert — zunächst in protestantischen Bürgerfamilien.

Traditionell wird der Weihnachtsbaum in Deutschland erst am 24. Dezember aufgestellt und geschmückt — das gemeinsame Schmücken ist selbst ein Ritual. Kerzen am Baum gelten noch heute als die schönste Form der Illumination.

Heiligabend und die Bescherung

Die Bescherung am 24. Dezember ist ein spezifisch deutsches Phänomen. In vielen anderen Ländern — Großbritannien, USA, den Niederlanden — finden die Feierlichkeiten am 25. Dezember statt. In Deutschland ist Heiligabend der eigentliche Weihnachtstag: der Abend der Familie, der Kerzen und der Stille.

Die Tradition des Christkinds als Überbringer der Geschenke geht auf Martin Luther zurück, der die Aufmerksamkeit vom Heiligen Nikolaus hin auf das Christuskind lenken wollte. In Bayern und Österreich ist das Christkind noch lebendig; in Norddeutschland hat der Weihnachtsmann weitgehend übernommen.

Stille Nacht, heilige Nacht

Das bekannteste Weihnachtslied der Welt wurde in der Nacht zum 24. Dezember 1818 in Oberndorf bei Salzburg uraufgeführt — Text von Josef Mohr, Melodie von Franz Xaver Gruber. Es war ursprünglich für Gitarre und zwei Soli konzipiert. Heute wird es in über 300 Sprachen gesungen und ist das am häufigsten übersetzte Lied der Geschichte.

Der Weihnachtsmarkt — ein Ritual für alle Sinne

Weihnachtsmärkte gehören zu Deutschland wie der Adventskranz und der Stollen. Der älteste dokumentierte Weihnachtsmarkt Deutschlands ist der Striezelmarkt in Dresden, erstmals 1434 erwähnt. Nürnberg, Köln, Hamburg — sie alle ziehen jedes Jahr Millionen von Besuchern an.

Glühwein in der Kälte, der Duft von gebrannten Mandeln, Holzspielzeug aus dem Erzgebirge, Lebkuchen und Musik — der Weihnachtsmarkt ist ein sinnliches Gesamterlebnis. Für viele Menschen ist der erste Besuch auf dem Weihnachtsmarkt der inoffizielle Startschuss der Adventszeit.

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Häufig gestellte Fragen zu Weihnachtstraditionen

Hintergründe und Wissenswertes zu deutschen Weihnachtsbräuchen.

Die Feier am Abend des 24. Dezember geht auf die mittelalterliche Tradition zurück, den Vorabend eines Festtages zu begehen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde Heiligabend als familiärer Bescherungsabend zunehmend zur deutschen Haupttradition — während viele andere Länder am 25. Dezember feiern.

Das ist regional unterschiedlich. In Bayern, Österreich und Teilen Süddeutschlands bringt das Christkind die Geschenke — eine Figur, die auf Martin Luther zurückgeht. In Nord- und Mitteldeutschland hat sich der Weihnachtsmann (beeinflusst durch den niederländischen Sinterklaas) weitgehend durchgesetzt. In manchen Familien kommen beide vor.

Der Advent ist die vierwöchige Vorbereitungszeit auf Weihnachten — er beginnt am vierten Sonntag vor dem 25. Dezember. Die vier Adventssonntage markieren Etappen dieser Zeit; jeder Sonntag wird mit dem Anzünden einer weiteren Kerze am Adventskranz begangen. Der Begriff kommt vom lateinischen "adventus" — "das Kommen".

Der Nikolaustag erinnert an Bischof Nikolaus von Myra (4. Jahrhundert), der für seine Großzügigkeit gegenüber Bedürftigen bekannt war. Im Mittelalter verbreitete sich der Brauch, Kindern in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember Süßigkeiten in die bereitgestellten Schuhe zu legen. In vielen Regionen ist der Nikolaustag noch heute ein eigenständiges, geliebtes Fest.

Das Erzgebirge ist eine Mittelgebirgsregion an der deutsch-tschechischen Grenze. Seit dem 17. Jahrhundert entwickelte sich dort eine reiche Tradition des Holzschnitzens, da Bergleute in wirtschaftlich schlechten Zeiten neue Einkommensquellen suchten. Nussknacker, Räuchermänner, Schwibbogen (Lichterbogen) — diese erzgebirgischen Produkte sind heute weltbekannte Weihnachtssymbole.

"Stille Nacht" entstand 1818 (Uraufführung am 24. Dezember in Oberndorf, Österreich). "O Tannenbaum" wurde um 1820 zu seiner heutigen Form gebracht. "O du fröhliche" entstand 1816. Viele der bekanntesten deutschen Weihnachtslieder stammen aus dem frühen 19. Jahrhundert — einer Zeit, in der das moderne Weihnachtsfest in seiner heutigen Form entstand.

Ja, deutlich. In Bayern ist das Christkind lebendig; im Norden kommt der Weihnachtsmann. Das Sternsingen (Kinder als Heilige Drei Könige) ist in Süddeutschland und Österreich am 6. Januar stark verbreitet, im Norden kaum bekannt. Bayerische Krippentradition, schwäbische Brezel am Nikolaustag, nordfriesische Weihnachtsmärkte — jede Region hat eigene Akzente.

Eigene Familientraditionen entstehen durch Wiederholung. Wähle etwas, das sich gut anfühlt — ein Ritual, ein Rezept, ein Spiel — und mache es jedes Jahr. Schon nach zwei oder drei Jahren entsteht das Gefühl von Tradition. Es muss nichts Spektakuläres sein: denselben Film ansehen, dieselben Plätzchen backen, denselben Spaziergang machen.

"
Traditionen sind keine starren Regeln. Sie sind lebendige Rituale — und jede Familie darf sie neu erfinden, solange das Herz dabei ist.

— Anna Bergmann